Achtsamkeit in der Partnerschaft

Selbstbezogenheit – jeder Partner hat einen anderen Erfahrungshintergrund

achtsamkeit in partnerschaft - probleme überwindenEin Problem in Paarbeziehungen ist die Selbstbezogenheit. Jeder erlebt das Paargeschehen aus seiner ganz eigenen Sicht und das führt zu Auseinandersetzungen. Das Verständnis für den Partner wird dadurch erschwert, dass wir verstrickt sind in innere emotionale Konflikte. Sie beruhen auf Vorerfahrungen aus früheren Partnerschaften oder der Kindheit. Die Konflikte wirken sich auf die aktuelle Partnerschaft aus: Wir können dem Partner nicht im Ganzen wertfrei und offen begegnen.

Erwartungen führen zu Missdeutungen

Weitere Gründe für Selbstbezogenheit in Partnerschaften sind die Erwartungen. Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen soll. Deshalb vereinfachen wir komplexe Zusammenhänge, indem wir generalisieren bzw. kategorisieren. Aus diesem Grund schließen wir von einem Ereignis auf ein anderes und haben Vorerwartungen.

Diese Erwartungen können in einen Konflikt münden: Wenn wir das Verhalten des Partner in einer bestimmten Situation erlebt haben, dann bilden wir automatisch Rückschlüsse auf sein zukünftiges Verhalten: Vor einer Woche reagierte er so, dann wird er jetzt auch so reagieren. Der Partner selbst könnte sich unverstanden und nicht-gesehen fühlen und deshalb genervt reagieren.

Beispiel: Frank ist Programmierer in einem Softwareunternehmen in Berlin. In seiner Partnerschaft kriselt es. Immer wieder kommt es in letzter Zeit zu Streit mit seiner Freundin Eve. Eve und Frank kennen sich seit ca. zwei Jahren. Am Anfang war alles sehr schön. Die Probleme und Missstimmungen begannen vor ein paar Monaten. Eve arbeitet seit einen halben Jahr wieder. Sie ist teilzeitbeschäftigt in einem Fitnesscenter. Immer wenn sie einen Tag frei hat, dann freut sie sich auf den gemeinsamen Abend mit Frank. Heute gehen sie zusammen ins Kino. In seiner Firma hat Frank viel zu tun. Ganz spontan kann es vorkommen, dass ein zusätzlicher Kundentermin angesetzt wird und dass sich dadurch Franks Feierabend nach hinten verschiebt – wie an diesen Tag. Nach dem letzten Kunden beeilt sich Frank, um rechtzeitig zu Hause zu sein. Trotzdem wird er zu spät nach Hause kommen. Er schickt eine SMS: „Komme leider später.“
Zuhause angekommen registriert Frank sofort die distanzierte Art von Eve: Kein Strahlen wie sonst. Er weiß sofort was los ist und denkt sich: Nicht schon wieder. Ich habe mich doch beeilt und alles getan, was ich tun kann. Ich bin sogar das letzte Stück gelaufen. Ich kann doch nicht auf meinen Feierabend bestehen. Frank fühlt sich unverstanden und möchte alleine sein.

Erklärungen:

Die beschriebene Situation ist beispielhaft für viele Paare.
Für Frank ist alles klar. Er schließt von einer bereits vergangenen Situation auf eine aktuelle: Er nimmt an, dass Eve sauer auf ihn ist, weil er sich verspätet hat. Er fragt nicht nach, um sich zu vergewissern, ob seine Annahmen stimmen. Stattdessen zieht er sich zurück.

Natürlich kann Franks Annahme stimmen und Eve ist tatsächlich darüber enttäuscht, dass der geplante gemeinsame Kinobesuch nicht stattfinden kann. Es kann aber auch ganz anders sein. Vielleicht hatte sie vorher einen Streit mit ihrer besten Freundin. Vielleicht ist sie erkältet und sie fühlt sich deshalb nicht wohl.

Wie Achtsamkeit eine Partnerschaft unterstützen kann

Achtsamkeit heißt u. a. sich den eigenen Gefühlen zu widmen. Das Wahrnehmen bzw. das Beobachten der Gefühle verändert die Emotionen in Beziehungen. Durch Achtsamkeit entsteht eine Pause zwischen einer erlebten Situation (Eve lächelt nicht) und der anschließenden Reaktion (Rückzug). Durch Achtsamkeit kümmert man sich sozusagen um sich selbst. Das Ergebnis ist Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit überraschenden und unvorhersehbaren Situationen.

Achtsamkeit ermöglicht uns, eine Reaktion mit bedacht zu wählen. Achtsamkeit wirkt wie ein Filter.

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