Der Selbstwert – wie bestimmt er unser Leben und unsere Partnerschaft?
Weil der Selbstwert für Partnerschaften eine wichtige Rolle spielt, werde ich in diesem Text darauf näher eingehen.
Der Selbstwert beider Partner (-innen) hat eine große Bedeutung in Partnerschaften. Er beeinträchtigt sehr das Zusammenleben in einer Partnerschaft. Wenn es zu gegenseitigen Kränkungen im Alltag mit dem Partner kommt und beide sich immer wieder verletzen, dann spielt häufig der Selbstwert da mit rein. Der Selbstwert hat immer mit entsprechenden Prägungen zu tun.

Definition Selbstwert
Der Selbstwert ist ein psychologischer Begriff. Er beschreibt einen wichtigen Aspekt der Identität eines Menschen.
Definition Identität
Identität ergibt sich aus der Frage nach dem eigenen Wesen: Wer bin ich und wie sieht man mich?
„Das bewusste Gefühl, eine persönliche Identität zu besitzen, beruht auf zwei
gleichzeitigen Beobachtungen: der unmittelbaren Wahrnehmung der eigenen
Gleichheit und Kontinuität in der Zeit, und der damit verbundenen Wahrnehmung, dass auch
andere diese Gleichheit und Kontinuität erkennen“ (Erikson, 1973)
Der Selbstwert – eine Definition
Der Selbstwert ergibt sich aus dem Bild, das man von sich selbst hat und der Bewertung davon.
Der Unterschied von Selbstwert und Selbstwertgefühl
Die Begriffe Selbstwert und Selbstwertgefühl werden häufig synonym verwendet. Das ist eigentlich nicht ganz korrekt, weil die Begriffe unterschiedliches beschreiben.
Der Selbstwert ergibt sich aus einem Bewertungsprozess. Dabei wird das Bild, das man von sich Selbst hat, bewertet. Das Selbstwertgefühl entsteht erst im Anschluss daran.
Warum der Selbstwert im Leben eines Menschen so wichtig ist
Der Selbstwert eines Menschen wird im wesentlichen geprägt in der frühen Kindheit. Obwohl der Selbstwert auch im Erwachsenenalter Einflüssen unterliegt, ist die bereits in der Kindheit angelegte Basis viel bedeutsamer und maßgebend. Entscheidend für Selbstwert ist die Atmosphäre im Elternhaus eines Kindes. Haben Eltern eine fürsorgliche und wohlwollende Grundhaltung für das Kind, dann ist das für die Kindesentwicklung förderlich. Das Kind verinnerlicht dann eine bejahende und vertrauensvolle elterliche Atmosphäre. Dieses Kind erlebt sich als wertvoll. Das daraus resultierende Gefühl begleitet und leitet das Kind auch im späteren Leben. Das Grundgefühl, das ein solches Kind später als Erwachsener innerlich erlebt, lässt sich mit dem Satz beschreiben: Ich bin gewollt in der Welt, ich erlebe Sicherheit. Dieses Kind hat einen starken Selbstwert.
Ist die elterliche Atmosphäre geprägt von Ablehnung dem Kind gegenüber, dann bildet das Kind einen mangelnden Selbstwert aus. Dieses Kind verinnerlicht die ablehnende und wenig verständnisvolle elterliche Atmosphäre. In der Folge erlebt das Kind sich ohne Wert. Im späteren Leben empfindet es die Umwelt als bedrohlich und unberechenbar. Als Erwachsener hat es Erwartungen an Beziehungen und Situationen, die den Erfahrungen der Kindheit entsprechen. Das zugehörige Grundgefühl ist wie folgt: Ich bin ungewollt.
Fazit
Menschen mit einem starken Selbstwert kommen mit den Herausforderungen des Lebens generell besser zurecht. Rückschläge und Kritik verarbeiten sie leichter als diejenigen, die einen mangelnden Selbstwert haben.
Einige Fakten zum Selbstwert
Die Bedeutung des elterliche Erziehungsverhalten für die Entwicklung des Selbstwertes
Ergebnisse von Forschungen konnte bestätigen, dass das die Art des elterlichen Erziehungsverhaltens (Bsp.: fürsorglich, wohlwollend, ständig kritisierend, ignorierend oder ablehnend) den späteren Zustand des Selbstwertgefühls eines Kindes gut vorhersagen lässt.
Ein positives Selbstwertgefühl bestimmt das Leben und die Partnerschaft
Der Entwicklungspsychologe Ulrich Orth konnte bei einem Vergleich von Langzeitstudien zum Thema Selbstwertgefühl feststellen, dass ein hohes Selbstwertgefühl zu beruflichen Erfolg und partnerschaftlichem gelingen im späteren Leben entscheidend mit beiträgt.
Ein positiver Selbstwert wirkt sich in Partnerschaften sehr positiv aus. Unstimmigkeiten können schnell überwunden werden. So entstehen weniger ernsthafte Schwierigkeit zwischen den Partnern..
Menschen mit einem negativem Selbstwertgefühl erleben in Partnerschaften schnell Unsicherheit und Ohnmacht.
Selbstwert – der Hauptteil entsteht in der Kindheit
Der Selbstwert wird teilweise vererbt. Der wesentlichere Teil des Selbstwerts wird jedoch im Leben gebildet. Besonders die kindlichen Erfahrungen der ersten Lebensjahre bilden das Fundament des Selbstwerts. Alle Eindrücke, die mit den wichtigen Bezugspersonen in dieser Zeit gemacht werden, fließen mit ein.
Das Fundament des Selbstwerts
Folgende Metapher soll die Beständigkeit des früh gebildeten Selbstwerts beschreiben.
Stellen Sie sich ein großes Gewässer vor – vielleicht sogar das weite Meer. Es ist ein schöner angenehmer Tag. Plötzlich ändert sich das Wetter und es beginnt zu stürmen. Das Wasser gerät in Bewegung und beginnt sich zu kräuseln. Obwohl das Wasser an der Oberfläche durch den Sturm schon nach einiger Zeit wild hin und her schlägt, bleibt es in den tiefen Regionen davon unberührt. In der Tiefe bleibt das Wasser in Ruhe.
Der Entwicklungsverlauf des Selbstwertes – ständiger Wandel
Der Selbstwert entwickelt sich kontinuierlich (Ausnahme Pubertät) von der frühesten Kindheit bis ins Alter. Während der Pubertät bleibt er relativ stabil, um danach weiter anzusteigen.
Typische Dämpfer des Selbstwertes – Lebens- und Beziehungskrisen
Der Selbstwert ist nicht immer gleich stark ausgeprägt, sondern er unterliegt Schwankungen – je nach dem Verlauf der verschiedenen Lebensphasen. Während einer Beziehungskrise oder bei beruflichen Problemen ist auch der Selbstwert davon beeinflusst und dann niedriger ausgeprägt als vorher. Sind die Beziehungsprobleme bzw. die beruflichen Probleme überwunden, dann stellt sich in der Regel die vorherige Selbstwertstärke wieder her.
Literatur
Döpfner, Ulrike: Der Schatz des Selbstwerts. Was Kinder ein Leben lang trägt. Weinheim: Beltz Verlag 2022
Erikson, Erik. H.: Identität und Lebenszyklus. Suhrkamp Verlag 1973
Kast, Verena: Immer wieder mit sich selber eins werden. Identität und Selbstwert entwickeln
in einer komplexen Welt. Patmos Verlag 2018